Dr. Hans-Ulrich Rülke, MdL

Rede vom 02.11.2013

Rede auf dem FDP-Landesparteitag in Filderstadt

Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde,
als leidenschaftlicher Sportler weiß ich, wie dicht – nicht nur im Sport – manchmal Erfolg und Misserfolg beieinander liegen können.
In einem Gedicht von Rudyard Kipling findet sich der Satz: „Wenn Du Triumpf und Niederlage triffst, wisse, es sind beide Gaukler gleichermaßen.“
Unsere Partei hat diese kluge Warnung Kiplings nach dem Triumpf der Bundestagswahl des Jahres 2009 ziemlich großspurig in den Wind geschlagen.
Das beste Bundestagswahlergebnis in unserer Geschichte hat uns übermütig und unvorsichtig gemacht.
Den Wählern wurde eine große Steuerreform versprochen. Sie erinnern sich: „einfacher, niedriger, gerechter!“
Und eine große Gesundheitsreform hatten wir außerdem in Aussicht gestellt.
Es war aber rasch klar, dass die Union all dies nicht wollte. Dass das auch keine schwarz-gelbe Traumehe werden würde. Während Guido noch die Flitterwochen genoss, dachte Mutti bereits an Gütertrennung.
Die wollten uns von Anfang an wieder klein machen. Die wollten keine kleine Volkspartei FDP, sondern die wollten uns wieder zu einer kleinen Funktionspartei zurückstutzen. Das mit dem klein, das haben sie vorläufig geschafft. Aber das mit der Funktionspartei, das wollen wir doch mal sehen!
Wir hätten misstrauisch sein müssen. Eine widerspenstige Braut in einer Koalitionsehe. Die Mitgift genauestens ausgehandelt. Stattdessen gab es einen hopplahopp Koalitionsvertrag, der nur so strotzte vor Prüfaufträgen und Finanzierungsvorbehalten. Hauptsache fertig werden, Hauptsache schnell in die Regierung.
Benjamin Disraeli hat einmal gesagt: „Die meisten Holzwege sehen anfangs wie Abkürzungen aus.“ Eine solche Abkürzung haben wir damals gewählt. Wer Erfahrung mit Koalitionen hat, der weiß: Wer sich auf Prüfaufträge und Finanzierungsvorbehalte einlässt, der kann am Ende nicht liefern.
Dafür tragen wir alle mehr oder weniger Mitverantwortung. Ein Parteitag in Berlin-Tempelhof hat das alles abgesegnet – praktisch einstimmig. Ich selbst war damals kein Delegierter. Aber ich werfe mir heute vor, nicht trotzdem hingefahren zu sein.
Ein chinesisches Sprichwort sagt: Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher. Egal wer von uns zu der einen oder anderen Gruppe zählt. Jetzt sind wir gemeinsam hingefallen und es heißt gemeinsam wieder aufstehen.
Die Trauerarbeit wird mit dem heutigen Tage abgeschlossen. Ab sofort machen wir gemeinsam das Schiff wieder flott.
Reden wir über den gemeinsamen Weg dahin. Wer mit einer bestimmten Strategie gescheitert ist, der braucht eine neue. Wer bestimmte Fehler gemacht hat, der sollte diese nicht mehr wiederholen.
Wir haben uns in den letzten vier Jahren verengt und verengen lassen auf das Steuerthema. Und wir haben uns verengt und verengen lassen auf den Koalitionspartner Union.
Die jetzige Krise kann aber auch eine Chance sein. Nämlich die Chance, völlig neu anzufangen. Die Chance uns wieder zu öffnen und zwar inhaltlich und auch strategisch.
Wir können aber – liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde – nicht einfach erklären: Ab morgen sind wir für die Ampel oder für sozialliberal oder für sonst etwas. Und es wäre auch unsinnig gewesen, kurz vor der Wahl plötzlich eine solche Ankündigung zu machen. Neue Bündnisse brauchen auch eine neue inhaltliche Basis.
Einer strategischen Öffnung muss die inhaltliche Öffnung vorausgehen. Und bevor wir neue Optionen anstreben müssen sich auch andere Parteien bewegen.
Nehmen wir nur mal unsere lieben Grünen. Die Herren Hauk und Strobl – hier aus Baden-Württemberg – haben nach der Wahl heftig mit Schwarz-Grün geflirtet. So heftig, dass schon manch einer die Herren Trittin und Hofreiter auf der Regierungsbank sitzen sah.

Hauk und Strobl waren in ihrem schwarz-grünen Strandurlaubsidyll schon so weit, dass sie die Schwimmflügelchen aufgeblasen und die Sandelsachen eingepackt hatten. Aber Mutti fährt jetzt in die Berge.
Und warum fährt Mutti in die Berge? Weil die Grünen selbst sich nicht für regierungsfähig halten. Die Grünen sind aus der Spur geraten. Das Zitat, liebe Freunde, stammt nicht von mir, sondern von Winfried Kretschmann. Ich gebe ihm ja selten recht, aber an der Stelle stimmts ausnahmsweise!
Die Grünen erziehen und belehren. Bevormundung bei der Schulwahl. Steuererhöhungen und immer mehr Staatsbürokratie für die Wirtschaft.
Veggie-Day und kein warmes Wasser mehr zum Händewaschen für die Beamten.
Vor hundert Jahren marschierte die Diktatur in Knobelbechern einher, aber heute kommt sie in Jesuslatschen.
Als die Grünen die Wahl verloren hatten, da wollte Kretschmann den Mantel der Geschichte ergreifen und die Grünen auf eine neue Spur setzen. Aber Trittins Imperium schlug zurück. Die Grünen bleiben in der Fundi-Spur. Und Kretschmann steht nicht im Mantel der Geschichte da, sondern im Hemd wenn auch aus fairem Handel!
Die FDP muss sich inhaltlich öffnen, aber auch die real-existierenden Grünen müssen anders werden, bevor eine Zusammenarbeit möglich wird.
Und wie – liebe Freunde – steht es denn mit der SPD? Die Sozialdemokraten verantworten in Baden-Württemberg den Haushalt und die Schulpolitik.
Der grün-rote Koalitionsvertrag trägt den Titel „Der Wechsel beginnt“. Gemeint war wohl ein Schuldwechsel, wenn man sich die Neuverschuldung anschaut.
Dieser Finanzminister hat von uns einen Haushalt mit einem Volumen von 35,3 Milliarden im Jahre 2011 übernommen und ihn in nur zwei Jahren auf 40,7 Milliarden aufgebläht.


Das hat auch Gründe: Abschaffung der Studiengebühren. Nationalpark. Polizeireform und vor allem hunderte von neuen Stellen in den Ministerien für rote und grüne Genossen. Hunderte Millionen neuer Ausgaben. Jetzt wieder ein Nachtragshaushalt mit mehr als 600 Millionen Euro.
Und wo sind die Einsparungen? 340 Millionen nimmt man den Kommunen weg und bezeichnet das als Einsparung. 120 Millionen bekommt man von der Landesbank und bezeichnet das als Einsparung. Hundert Millionen gibt man weniger aus wegen der Zinsentwicklung und bezeichnet das als Einsparung.
Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde, Sie werden mich jetzt fragen, ob überhaupt irgendwo gespart wird. Ja es wird gespart. Nils Schmid hat den Ministerien Einsparungen bei den Portokosten verordnet.
Das leuchtet mir auch ein. Die brauchen ihren ganzen Genossen keine Briefe mehr zu schreiben, weil die schon alle bei ihnen in den Ministerien hocken. Das ist der Grund!
Gebetsmühlenartig wird dann behauptet, die Vorgängerregierung sei daran schuld. Man leide unter einer Erblast.
Von wegen Erblast. Dieser Finanzminister kann nicht mit Geld umgehen. Man sollte Nils Schmid als Finanzminister in die Wüste schicken, aber dann würde vermutlich dort der Sand knapp!
Mit einer solchen SPD ist eben auch kein Staat zu machen, liebe Freunde. Die FDP muss sich inhaltlich öffnen, aber bevor neue Bündnisse möglich werden muss sich eben auch die SPD verändern.
Mit der CDU, liebe Freunde, sieht es nicht viel besser aus. Erst war man gegen einen Nationalpark. Dann waren ein paar Altvordere und ein EU-Kommissar dafür. Dann war die CDU im Prinzip dafür, aber erst ab 900 Metern Höhe. Nach den Abstimmungen der Bürger war man dann wieder komplett dagegen.
Und das neueste ist, dass die CDU jetzt ihren eigenen Nationalpark entwickeln will. Im Vergleich zu diesem Kurs ist Horst Seehofer ja noch ein Muster an Beständigkeit!


Die FDP-Fraktion hat in dieser Frage immer klar Kurs gehalten. Nationalpark nur, wenn die Menschen vor Ort ihn wollen. Die Menschen vor Ort wollen aber einen solchen Nationalpark nicht und deshalb werden wir ihn auch ablehnen.
Meine Damen und Herren, was aber bedeutet nun inhaltliche Verbreiterung und strategische Öffnung für die FDP konkret?
Natürlich bleibt die Finanz- und Wirtschaftspolitik ein zentrales Kompetenzfeld für unsere Partei. Es müssen aber andere wichtige Kompetenzfelder wieder gleichrangig an dessen Seite treten. Von Theodor Heuss stammt der Satz: „Reisen heißt, an ein Ziel kommen, wandern heißt unterwegs sein.“ Die FDP muss die Wanderschaft der letzten vier Jahre beenden und die Reise in die Freiheit wieder antreten.
Reinhold Maier hat den Auftrag unserer Partei folgendermaßen formuliert:
„Die FDP wird gründlich missverstanden, wenn man sie als eine bessere Wirtschaftspartei betrachtet. Wir wollen die Freiheit ganz. Wir wollen sie überall. Wir wollen die wirtschaftliche Freiheit, die kulturelle Freiheit, die Freiheit im Innern und wir wollen vor allem die Freiheit nach außen.“
Besser und treffender als unser Landesgründer kann man es nicht formulieren.
Jetzt muss es aber darum gehen, die von Reinhold Maier betonten Prinzipien mit inhaltlichem Leben aus unserer Zukunft zu füllen.
Dass wir die wirtschaftliche Freiheit wollen, daran halten wir weiter fest. Das brauchen wir auch am wenigsten zu betonen. Wir haben es in der jüngsten Vergangenheit wahrscheinlich sogar überbetont.
Zur kulturellen Freiheit im Sinne von Reinhold Maier zählt ganz sicher eine gute Bildungspolitik.
Hier können wir, gerade in Baden-Württemberg, eine konstruktive Alternative zu allen anderen Parteien sein.
Meine Fraktion hat jüngst ein Gesetz zur Aufnahme der Ganztagsschule in das Schulgesetz im Landtag eingebracht. Anders als die Konservativen nehmen wir die gesellschaftlichen Realitäten zur Kenntnis. Wenn junge Frauen ihrem Beruf nachgehen wollen, dann unterstützen Liberale sie durch Ganztagsschulangebote. Und halten sie nicht fern durch ein Betreuungsgeld.
Zur gesellschaftlichen Realität gehören Alleinerziehende auch alleinerziehende Väter berufstätige Eltern und Patchworkfamilien.
Aber auch ein traditionelles Familienbild mit der Erziehung nachmittags zu Hause wird von uns respektiert. Deshalb nötigen wir auch niemandem die Ganztagsschule auf. Aber wir wollen sie jedem Kind ermöglichen, das ein solches Angebot braucht.
Der liberale Weg ist an dieser Stelle glasklar unterscheidbar vom miefigen Gesellschaftsbild der CDU und er ist glasklar unterscheidbar von der Gleichheitsideologie und Bevormundung durch Grün und Rot.
Liberale wollen allen Kindern gleiche Lebenschancen bieten. Kindern aus prekären Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund. Auch behinderten Kindern durch die Inklusion. Ja, liebe Freunde, der Liberalismus ist auch mitfühlend , wie wir an diesem Beispiel sehen.
Nicht obwohl, sondern weil wir die Chancengleichheit wollen sind wir für ein differenziertes Schulsystem. Wir wollen die Leistungsschwachen fördern, aber wir wollen auch die Leistungsstarken fordern. Und deshalb werden wir allen grün-roten Angriffen aufs Gymnasium weiterhin entschlossen entgegentreten.
Unser Land braucht die praktisch Begabten aber es braucht auch die Eliten, die den Karren ziehen, liebe Freunde.
Die Gemeinschaftsschule verbreitet die Illusion, dass alle Kinder Abitur machen sollen. Es macht aber keinen Sinn, dass alle Abitur machen. Wir brauchen auch weiterhin den Handwerker und den Industriearbeiter. Niemals wieder darf die berufliche Bildung so vernachlässigt werden wie durch Grün-Rot!
Grün-Rot will zum Ziele der Gleichmacherei unser Schulsystem zertrümmern. Und die Art und Weise wie sie es machen ist an Dilettantismus nicht zu überbieten.
Mark Twain muss die grün-rote Bildungspolitik in Baden-Württemberg erahnt haben, als er sagte: Und als sie das Ziel aus den Augen verloren, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.
Die Grün-Roten können es nicht und deshalb werden wir die auch 2016 gemeinsam wieder weghauen, liebe Freunde!
Zur Freiheit im Innern, im Sinne von Reinhold Maier zählen ganz sicher auch die Bürgerrechte. Die Freiheitsrechte des einzelnen Menschen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Niemals wieder sollten wir als Liberale einem Skandal wie der NSA-Affäre so defensiv gegenübertreten.
Es stimmt, dass wir nicht alle Flüchtlinge dieser Welt bei uns aufnehmen können. Aber das Schicksal der Bootsflüchtlinge vor Lampedusa kann Liberale nicht kalt lassen. Da muss man helfen und man muss auch die Ursachen angehen.
Wenn Reinhold Maier von der Freiheit nach außen redet, dann denken wir heute nicht zuletzt an Europa. Wir Liberalen bekennen uns zur europäischen Idee und zur Europäischen Union. Wir bekennen uns aber nicht zu einer EU der Staubsaugerrichtlinien.
Wir Liberalen stehen zum Euro und zur Eurozone. Damit einher geht auch Solidarität. Der deutsche Steuerzahler ist solidarisch, aber er ist nicht blöd. Oder um es mit Theodor Heuss zu sagen: Deutschland braucht Europa. Aber Europa braucht auch Deutschland.
Es muss möglich sein, dort zu helfen, wo Hilfe Sinn macht. Wenn aber ein Land seine Wettbewerbsfähigkeit besser außerhalb der Eurozone zurückgewinnen kann, dann muss auch ein Ausscheiden aus der Eurozone eine Option sein.
Einfache Lösungen gibt es an dieser Stelle sicher nicht. Aber Eurobonds oder Altschuldentilgungsfonds sind unserer Wirtschaft und dem Steuerzahler nicht zumutbar.
Deshalb will ich auch nichts davon hören, jene 44%, die beim Mitgliederentscheid anders abgestimmt haben aus der Partei zu drängen. In einer liberalen Partei muss Platz sein für einen Philipp Rösler wie für einen Frank Schäffler. Und es muss auch möglich sein, eine Eurorettungspolitik zu formulieren, die beide Seiten mittragen können.
Meine Damen und Herren, wir brauchen ein Konzept für die Energiewende. Es ist eigentlich unglaublich, dass man mit so viel Geld so wenig Strom erzeugen kann. Dass Milliarden an Subventionen im Grunde verpuffen.
Gleichzeitig ist der Co2-Ausstoß nicht gesunken, sondern gestiegen.
Ein Industriestandort wird in Schwierigkeiten gebracht. Und ein ganzer Industriesektor, nämlich die Energiewirtschaft wird gegen die Wand gefahren. 100 Milliarden an Börsenkapitalisierung sind in wenigen Jahren verloren gegangen.
Mit dem Mengenmodell haben wir einen liberalen Ansatz, einen marktwirtschaftlichen Ansatz, der auch funktioniert. Wir wollen mehr regenerative Energien haben, aber deren Produktion ist keine Staatsangelegenheit.
Nach der jüngsten Allensbach-Umfrage hat dennoch die Angst der Menschen vor dem Staat deutlich abgenommen. Vielleicht müssen auch wir Liberale unser Verhältnis zum Staat neu justieren.
Vielleicht müssen wir ihn dort eindämmen, wo er die Freiheit bedroht, ohne ihn aber generell zu verteufeln. Und vielleicht müssen wir den Staat dort als ordnende Hand begrüßen, wo er auch Freiheit schaffen kann wie zum Beispiel bei der Bekämpfung von Monopolen.
Auch in einer freien Gesellschaft ist die Freiheit kein überholtes Thema. Uns als FDP muss es aber wieder gelingen als verantwortungsvoller und vor allem glaubwürdiger Anwalt der Freiheit wahrgenommen zu werden. Der gesamten Freiheit im Sinne Reinhold Maiers und nicht nur eines freiheitlichen Teilbereichs.
Mein Ziel ist es, dass unsere Partei im Jahre 2016 in Baden-Württemberg wieder die Regierungsverantwortung übernimmt. Wir wollen den Menschen anbieten, das Land dann in zwei Legislaturperioden zu entwickeln. Wir nehmen also das Jahr 2026 in den Blick.
Bis zum Landtagswahlkampf brauchen wir eine Vision Baden-Württemberg 2026. Diese Vision will ich mit Ihnen gemeinsam in den nächsten beiden Jahren entwickeln.
In einer liberalen Mittmachpartei, in der jeder aufgerufen ist, sich einzubringen.
Die Prozesse müssen von unten nach oben verlaufen.
Mich haben die vier Regionalkonferenzen beeindruckt. Das war eine lebendige, konstruktive und inhaltlich starke Partei. Ich würde gerne diese Regionalkonferenzen institutionalisieren.
Gerne würde ich alle Mitglieder ständig inhaltlich zu Wort kommen lassen und ihnen auch die ständige Chance bieten, der Landesspitze ein feed-back zu geben. Zu diesen Zwecken würde ich gerne eine Befragung aller Mitglieder abhalten und ein dauerhaftes Online-Diskussionsforum als feedback-Kanal einrichten.
Die Mitglieder des Präsidiums und des Landesvorstands sollten feste – möglichst inhaltliche – Aufgabenfelder übernehmen.
Ich wünsche mir ein breites gesellschaftspolitisches Angebot, das wirtschaftliche, soziale, ökologische und politische Anliegen aus bürgerschaftlicher Sicht und liberaler Haltung vereint.
Wir als Landtagsfraktion haben Schwarze, Grüne und Rote in den letzten beiden Jahren beim Thema Bürgerbeteiligung immer wieder angetrieben.
Jetzt kommen wir voran bei der Absenkung der Quoren für Volksabstimmungen auf Landesebene und der Möglichkeit für die Bürger, den Landtag mit ihren Anliegen zu befassen.
Die Landtagsfraktion hat bewiesen, dass man beim Thema Beteiligung auch aus der Opposition Erfolge erzielen kann. Auf diesem Wege machen wir weiter.
Mit unserer kleinen Fraktion und ohne eine Landesgruppe im Bundestag wird das keine leichte Aufgabe.
Aber ein arabisches Sprichwort sagt: Kannst Du kein Stern am Himmel sein, sei eine Lampe am Haus.
Meine Damen und Herren,
wenn uns diese inhaltliche Verbreiterung glaubwürdig gelingt, dann kann die beschädigte Marke FDP wieder genesen.
Die Marke ist beschädigt, aber nicht unsere Inhalte und schon gar nicht die Idee der Freiheit.
Dann, aber erst dann, folgt die strategische Öffnung der FDP. Eine breit aufgestellte liberale Partei ist für andere demokratische Parteien ein denkbarer Koalitionspartner.
Das liegt aber nicht nur an uns, sondern auch an anderen. Zunächst und vor allem müssen wir die Partei der Freiheit sein und nicht der Koalitionspartner von irgendwem.
Jedenfalls haben uns die Erfahrungen der letzten vier Jahre gelehrt, dass wir nicht nur eine Option haben sollten. Schon gar nicht wenn diese Option so mit uns umgeht. Muttiland ist abgebrannt. Für die FDP jedenfalls.
Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde. Sie wissen jetzt welchen Weg ich für die FDP in den nächsten Jahren sehe.
Mein Name ist Hans-Ulrich Rülke. Ich bin 52 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern. Seit 2006 bin ich Landtagsabgeordneter. Und seit Juni 2009 Vorsitzender der FDP/DVP-Fraktion.
Ich stelle mich am heutigen Tage einem fairen innerparteilichen Wettstreit. Und ich bedanke mich ausdrücklich bei meinen Mittbewerbern für diesen fairen Wettstreit. So etwas wie in Villingen wollen wir in der baden-württembergischen FDP nie mehr erleben.
Natürlich werden Michael Theurer und ich weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten. Egal wohin die Partei uns beide heute stellt. Wir haben die Chance, dass es heute nicht vier Verlierer gibt. Drei, die verloren haben, und einen anderen, der vielleicht zu knapp gewonnen hat.
Sondern einen einzigen Gewinner, nämlich die baden-württembergische FDP, die den heutigen Tag mit Stil und Anstand gestaltet.
Es ist gelegentlich gesagt worden, ich solle mit Michael Theurer eine Doppelspitze bilden. Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde: Das will ich auch. Ich will mich auf die Landespolitik konzentrieren und Michael Theurer ist für Europa zuständig. Ich habe nicht vor, mich auf diesem Feld zu tummeln.
Wenn Sie mich zu Ihrem Landesvorsitzenden wählen, dann wird meine erste Aufgabe sein, dafür zu sorgen, dass Michael Theurer wieder ins Europaparlament einzieht, liebe Freunde.
Meine Damen und Herren, ich freue mich, Ihnen im Falle meiner Wahl Gabriele Heise erneut für das Amt der Generalsekretärin vorschlagen zu dürfen. Wir alle wissen, welchen Einsatz sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren erbracht hat. Und das alles ehrenamtlich!
Unsere Partei, unser Landesverband wird gelegentlich als reine Männerveranstaltung bezeichnet. Die sieben Landtagsabgeordneten sind Männer. Das wird uns oft genug im Landtag vorgehalten.
Ich glaube, dass es ein gutes Signal wäre, wenn wir in der herausgehobenen Funktion der Generalsekretärin Gaby Heise bestätigen würden.
Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde, Sie kennen mich… Als einen, vom dem gelegentlich gesagt wird, er sei der heimliche Oppositionsführer im Landtag. Als einen, der die Regierung hart und kompromisslos stellt.
Als einen, dem es gemeinsam mit seinen sechs Kollegen gelungen ist, aus unserer Fraktion eine schlagkräftige Truppe zu machen. Kampfstark nach außen und harmonisch nach innen. Das kann man nur erreichen, wenn man auch die Kraft zur Integration hat.
Sie kennen mich weniger als jemanden, der seine Gefühle ständig nach außen trägt. Sogar meine Frau weist gelegentlich darauf hin. Manch einer wird fragen, ob ich die vor uns liegende Aufgabe nur mit dem Verstand oder auch mit dem Herzen angehen werde. Als Claudia Roth der FDP tauge ich sicher nicht.
Aber unsere Partei, unser Landesverband hat eine stolze Tradition.
Der Freiheitskampf des 19. Jahrhunderts.
Die fragile erste deutsche Demokratie.
Die Titanen der Nachkriegsgeschichte.
Der Landesgründer aus dem Remstal und das erste Staatsoberhaupt aus dem Unterland.
Bis hin zu den Triumpfen und Niederlagen der letzten Jahre. Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass wir es gemeinsam schaffen. Aber diese Aufgabe ist für mich eine Angelegenheit für den Verstand und für das Herz.

Ich werde für die Mitwirkung an dieser Mission zur Verfügung stehen, egal wie Sie heute entscheiden. Ich will mit Ihnen gemeinsam dafür brennen, dass diese FDP wieder zurück kommt, liebe Freunde.
Abschließend will ich Zurückkehren zum Ausgangspunkt meiner Rede. Zu Rudyard Kipling: Wenn Du Triumpf und Niederlage triffst, wisse, es sind beide Gaukler gleichermaßen.
Der Triumph von 2009 ist uns am Ende bitter aufgestoßen. Aber genau so können wir die Niederlage von 2013 ins Positive wenden. Die Krise der FDP, begreifen wir sie als Chance! Liebe Freunde, packen wir es gemeinsam an.
Und heute hier in Filderstadt geht es los. Ich danke Ihnen!


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